Jesus als Kind bei den Schriftgelehrten

Der richtige Spiegel

Jürgen Ferrary
13. März 2026

Die Bibel zeigt uns an vielen Stellen, wer wir sind – und wer wir sein können. Sie beschreibt unsere Identität, wenn wir getrennt von Gott leben, und sie zeigt uns, wer wir werden, wenn wir Jesus in unser Leben einladen.

Gott gibt sich erstaunlich viel Mühe, dir zu sagen, wer du bist. Warum? Weil er weiß, wie laut diese Welt schreit. Ihre Botschaften sind oft brutal: ungewollt, ungeliebt, überflüssig, hässlich, wertlos.

Doch Gottes Wahrheit klingt völlig anders: gewollt, geliebt, gebraucht, wunderbar gemacht – mit einem unschätzbaren Wert.

Was du glaubst, wer du bist, bestimmt, wie du lebst. Wenn du überzeugt bist, wertlos zu sein, wirst du anders durchs Leben gehen, als wenn du weißt, dass du von Gott geliebt bist. Deine Entscheidungen, deine Ausstrahlung, sogar dein Lebensglück werden davon geprägt.

Leider hat der Widersacher ein leichtes Spiel. Er hält uns immer wieder einen falschen Spiegel vor – und viel zu oft glauben wir, was wir darin sehen.

Eine Szene aus Jesu Kindheit hat mich in diesem Zusammenhang besonders beschäftigt. In Lukas 2 wird erzählt, dass Jesus als Zwölfjähriger mit seinen Eltern zum Passahfest nach Jerusalem reist. Nach dem Fest machen sich alle gemeinsam auf den Heimweg – in einer großen Reisegruppe, wie es damals üblich war.

Doch plötzlich ist Jesus verschwunden.

Erst nach einem ganzen Tagesmarsch merken Maria und Josef, dass ihr Sohn nicht bei ihnen ist. Sie kehren voller Sorge nach Jerusalem zurück und suchen ihn: „Endlich, nach drei Tagen, fanden sie ihn im Tempel; er saß mitten unter den Gesetzeslehrern, hörte ihnen zu und stellte Fragen.“ (Lukas 2,46 NGÜ)

Warum tut Jesus das?

Ich glaube, er zeigt uns etwas Entscheidendes: Wahrheit findet man nicht immer zufällig. Manchmal muss man sie bewusst suchen. Jesus nimmt einen Umweg, um sich mit Gottes Wahrheit zu beschäftigen.

Und genau hier wird es persönlich.

Ich möchte dir zwei Fragen stellen:
Liest du die Bibel?
Und wenn ja – wie liest du sie?

Als mir diese Frage einmal gestellt wurde, wusste ich zuerst gar nicht, was ich antworten sollte. Erst später habe ich verstanden, worum es eigentlich geht: Lese ich die Bibel so, dass sie mich näher zu Jesus bringt?

Jemand hat einmal einen Satz gesagt, der mir im Gedächtnis geblieben ist: „We need less information and more revelation“ (Wir brauchen weniger Information und mehr Offenbarung).

Information sammelt Wissen. Offenbarung verändert das Herz.

Die Bibel ist nicht in erster Linie ein Buch, das uns nur Fakten über Gott liefert. Sie ist der Ort, an dem der Heilige Geist uns Gottes Wahrheit persönlich zeigt. Wenn du sie liest, geht es nicht darum, eine religiöse Pflicht abzuhaken. Es geht darum, der Quelle des Lebens zu begegnen – und diese Quelle ist Jesus.

Wenn sich Bibellesen für dich manchmal trocken oder wie eine Last anfühlt, dann liegt das vielleicht nicht daran, dass Gottes Wort langweilig ist. Vielleicht brauchst du einfach einen neuen Zugang.

Manche entdecken die Bibel neu durch einen Andachtsplan. Andere lesen sie gemeinsam mit einem Freund. Manche hören sie als Hörbibel beim Spazierengehen. Vielleicht hilft dir eine andere Übersetzung – oder eine andere Tageszeit.

Überlege einmal ehrlich:
Wie sieht dein Alltag aus?
Wie lernst du am besten?
Und was ist für dich wirklich umsetzbar?

So wie Jesus damals bewusst einen Umweg in den Tempel machte, kann es sein, dass auch du einen neuen Weg finden musst, um Gottes Wahrheit über dein Leben zu entdecken.

Denn eines ist sicher: Wenn du regelmäßig in Gottes Wort schaust, wirst du anfangen, dich selbst im richtigen Spiegel zu sehen.

Und dieser Spiegel sagt dir: Du bist geliebt. Gewollt. Und von unschätzbarem Wert.

Herausforderung für heute: Nimm dir diese Woche jeden Tag fünf oder zehn Minuten Zeit für Gottes Wort – und bitte Gott ganz bewusst: „Zeig mir heute, wer ich in deinen Augen bin.“

Sei gesegnet.

„Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Freiheit und unsere Kraft zur Wahl unserer Reaktion“ (Viktor Frankl).

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